[ ENGLISCH UND DEUTSCH]

Die Lounge erinnert vage an die Sechziger-Jahre-Filmarchitektur in Raumschiffen.
Am Hangelenk blinkt futuristisch ein Armband, das per Draht einen Herzschlag mißt und speichert. Bläulich pocht am Gelenk das Licht. Wenn es sich rötet ist der Speicher aufgeladen. Und der Mensch kann sein Herz an einer der Empfangsstationen entladen. Oder es auch lassen und auf den Sitz- und Liegeobjekten weiterlagern, etwas trinken, sich unterhalten oder einfach im Einklang mit den elektronisch erzeugten Tönen, die den Raum erfüllen, vor sich hin meditieren.
Je nachdem wie intensiv von der Möglichkeit, den Speicher mit Herzschlag und -rhythmus zu leeren, Gebrauch gemacht wird, verändern sich die optischen und akustischen Gegebenheiten. Die Farben wechseln, die Helligkeit nimmt zu oder ab, das Klangspektrum weitet oder verengt sich.
Das Projekt 'biomorph' vereint biologische, technische und künstlerische Vorgänge.
Es handelt handelt sich hier um eine sanfte Form von Interaktion zwischen Mensch und Maschine: Die Besucher tauchen ein in eine Licht- und Tonwelt, die sie gleichsam wie eine Hülle umgibt. Ihre Gestalt bestimmen alle mit. Der individuelle erweitert sich zum gemeinschaftlichen leib, der einen von allen Besuchern gespreisten Biorhythmus hat.
Die Atmosphäre gleicht dabei einem endlosen Chill-out, einem reinen Ambient Club, in dem es um nichts anderes geht als um die psycho-physische Entspannung. Die Disco findet andenorts statt. Statt dessen einen realen Widerspruch- eine Barbetrieb fürs kontemplative Leben.

michael hierholzer - FAZ

Ein live-vertonter Stummfilm - für Musikfreunde und Cineasten ein sehr selten zu erlebender Luxus. Die Reihe "open music" erlaubte es wieder, einen filmischen Meilenstein ohne wummernd-nervige Orgeluntermalung zu genießen. Tony Buck und zeitblom musizierten im Orpheum zu Dziga Vertovs "Der Mann mit der Kamera".
Vertovs Schaffen ist im Vergleich zu den Werken der anderen "Schöpfern" der Filmsprache trotz seiner formalen und inhaltlichen Originalität weitgehend folgenlos geblieben. Während Sergej Eisensteins manipulative Montage-Technik, Luis Bunuels psychoanalytische Theatralik, Leni Riefenstahls Auflösung des Individuums in Ästhetizismus und Heroismus sowie D.W.Griffiths sentimentale Mythenbildung das Kino bis zum heutigen Tag maßgeblich prägen, ist der künstlerisch gleichrangige Weg, den Vertov aufzeigte, ein ungegangener. Vertovs eigenwillige Schnitt-Technik, die spielerischen Illusionsbrüche und der Versuch, der Vielfalt des Lebens
in einem gewaltigen Panorama des Nebeneinander beizukommen, machen "Der Mann mit der Kamera" von 1929 zum großen, "vergessenen" Meisterwerk, einem Relikt des "anderen Kinos".
Die Vertonung eines solchen außerordentlichen Filmes ist ein schwieriges Unterfangen. Der australische Schlagzeuger Tony Buck und der in Berlin lebende Elektronik-Musiker zeitblom machten ihre Sache im Grazer Orpheum exzellent. Ohne festgelegte Partitur schuf das Duo improvisierend ein akustisches Umfeld, in dem sich Vertovs Bildwelt entfalten konnte. Man raubte dem Werk nichts von seiner Kraft, blieb aber nicht im Beliebigen hängen, der Verzicht auf große Entwicklungen, die gleichbleibend schwebende Stimmung passte vorzüglich zur Nicht-Narration von "Der Mann mit der Kamera". Ein großer Abend.
martin gasser - krone zeitung

Der Wahlberliner zeitblom installiert Klang-Environments, vertont Hörspiele und begleitet Leseperformances, mischt und bearbeitet Körpersounds, komponiert für Theateraufführungen. Und manchmal, da macht er gar einfach nur so Musik.
In allem jedoch kreiert er seine ganz persönliche, Ambient-lastige und doch im Prinzip kaum beschreibbare Klangwelt.
So vielfältig zeitbloms Tätigkeitsfelder und Arbeitsweisen sind, so sehr erstaunt,dass er doch immer irgendwie nach zeitblom klingt, unnachahmlich und unverkennbar. Ob seine in Zusammenarbeit mit dem Maschinenkünstler-Kollektiv BBM entwickelte Klanginstallation ‚sophistcated buildings by blind bulldozing’ für 39 krabbelnde Roboter-Wesen am Deutzer Bahnhof in Köln, die allesamt auch einen separaten Klangkanal in sich tragen und deren sich durch kontinuierliche Positionsveränderungen fortwährend neu mischende Soundscape samt und sonders von der rhythmisch-klanglichen Basis eines U-Boot-Morse-Codes abgeleitet ist. Oder on im Zuge des Bioplex in Delay Projekts, dem von Kevin Kellys Buch Das Ende der Kontrolle angeregten ersten Teils einer Trilogie, die die Anwendung biologischer Prinzipien auf künstliche Umwelten thematisiert: So wie in Bioplex sich ständig neu überlagernde Loops von unterschiedlicher Länge zu einem enigmatischen, minimalistischen Netz wuchernder Klang-Mikroorganismen disponiert werden, so planen die weiteren Teile dieser bis 2005 projektierten Arbeit, ähnliche ähnliche Gedanken auf die Gebiete von Architektur (Biomorph) und Film (Bioscope) anzuwenden.

 

 

 

andreas felber - jazzthetik



Zeitblom presents 4 long pieces in this new 2CD set. The liner notes for the project come courtesy of Rantasa, who had worked with Zeitblom together with Fennesz last year on the installation Bioadapter (released on CD by Rhiz as Music for an Isolation Tank). Rantasa's notes constitute a short essay on the ideas and structures of Zeitblom's work, on the frictions between culture and nature, between the world of the made and the world of the born.
He explains that Zeitblom created Bioplex for "artificial rooms" (but then again, are there really any natural rooms?): "Together with visuals, the music is used as a design element for a functional, cultural transition room like the foyer of a concert hall." Yet in the context of a more domestic setting, the music takes on a different in'uence. Listening to Bioplex In Delay is like having an installation piece in your own home: the sounds transform your living space into something new; unknown and truly miraculous. The music creates an artificial environment in which to repose, and you begin to feel like a stranger in your own home. Richly layered clusters of sounds, derived from acoustical material (like the heartbeats of visitors to the Bioadapter sound installation), are spun through the machinery of a vast series of electronic processing steps. The result is a
collection of four dense environments that occupy your space but don't leave you feeling weighted down by them. They may belong to "the world of the made", but they have all the complexity of the "world of the born", leaving you with ample room to move about and explore the details and corners. Each track has it's own distinctive mark, like each natural environment has a particular scent, texture, or sound - the sound clusters move through complex structures, layer upon layer, with variations ranging from the extremely subtle to more obvious shifts, additions and subtractions. With its wealth of ideas and complex sounds, Bioplex in Delay is a wonderfully compelling work that comes highly recommended.
richard di santo – incursion



Revelation 18/02 text und interview von tanja maciosek




This 2CD release by Zeitblom features 4 long tracks, and from the extensive sleeve notes has a clear theme. The theme being that of an artificial environment - the "bioplex" of the album title. The base inspiration coming from descriptions by author Kevin Kelly in his book "The End Of Control", but is also about boundaries and contrasting states, which is re'ected in the notes. This could be seen in terms of 0 volts and 5 volts or our environment to the entirely detached bubble described or also the curious concept described as rain or no rain. A concept summed up by the quote from Haruki Marukami "The world exists in two conditions: 'rain' and 'no rain' and there really should be a distinction between the two." To further explain the idea behind the work the notes say:

"zeitblom's 'bioplex' dones't sound like rain. 'Bioplex' is neither 'rain'
nor 'no rain'. In the metaphoric realm of imagination and listening,
however, this music mark that line of distinction required in another
context, which no longer exists."

"zeitblom made 'bioplex' for artifical rooms, like installations and
environments. Together with visuals, the music is used as a design element for a functional, cultural transition room like the foyer of a concert hall."

The music across the 4 pieces is consistent, and while there are differences and progressions, this is a release without surprises. The sound on the whole is restrained, as one might expect from a sonic description of a 3 dimensional space, working with tight layers. This provides a subtlety, defining that line between the states, at times taking on a drone form. Moving through the 4 phases To Begin, Story, Melody and End the texture of the composition is rich, so that overall this is a considerably enjoyable
work.
remoteinduction



Glaubt man dem englischen Musikkritiker David Toop, haben Musiker schon immer auf ihre Umgebung reagiert. Die nicht verifizierbaren Ursprünge von Musik liegen den meisten Theorien zufolge meteorologischen oder bioakustischen Geräuschen – und es ist demnach kein Wunder, dass Landschaft, sei es als natürliche oder künstliche, als eine der zentralsten Metaphern von Ambient-Musik
Fungiert.
Auch der Berliner Künstler zeitblom scheint das zu wissen – oder muss zumindest J.G. Ballards Vermillion Sands Stories über psychotrop-akustische Architekturen gelesen haben. Wie sonst hätte er seiner im März erschienenen CD ‚bioplex in delay’, was irgendwie nachKing Tubby klingt, auch noch den Untertitel ‚environments#1’ geben können? Das wiederum klingt nämlich wie Luhmann mit Tippfehler. Seine minimalistische ‚Umgebung der Umgebung’ jedenfalls ist so minimalistisch, dass sie sich nur noch in Mikroeinheiten geringfügiger Modulationen messen lässt, klanglich irgendwo zwischen tibetanischen Mönchen auf Valium und dem Surren von Telefonkabeln 6000 Meter unter dem Meeresspiegel.
Dabei ist zeitblom ein alter Hase in Sachen Avantgarde: Früher spielte er in der Avant-Rock Formation ‚Sovetskoe Foto’, später in der Knitting Factory mit Fred Frith, John Zorn oder Zeena Parkins. Seitdem beackert er das Feld zwischen den Künsten, arbeitet an Performance-Kompositionen, Hörstücken oder tritt – wie auf der net-condition Ausstellung im ZKM in Karlsruhe – mit Scanner und Kaffe Mattews per Glasfaser Kabel auf.
tobias nagl - TAZ


"Bioplex in Delay- Environments #1" is the debut solo release from German laptop wizard Zeitblom. His name may seem familiar from his collaborations with his Austrian counterpart Christian Fennesz and Peter Niemand, and the Golden Tone project with Fennesz and "Music for an Isolation Tank" with Fennesz and Niemand are his only other recorded projects (to my knowledge.)
This release is very different from many of the microsound-esque records out now. Laptop artists like TV Pow, Fennesz and Jim O' Rourke tend to focus on creating a tangible sense of dynamism. With the incredible sound palette available to them, they cycle through ideas with extraordinary speed, executing with the click of a mouse what it would take hours to do with magnetic tape. Zeitblom's solo effort is very different. He designed this cd with a museum gallery in mind. The term "environments" is crucial to this work; because the 4 tracks spread over 2 cds exist as slowly and gradually developing sound fields. In terms of structure, Zeitblom's work more resembles the gradually unfolding ideas of Vladislav Delay than the rapid fire edits of Richard Devine. Timbrally, however, it's very obvious that Zeitblom is closely aligned to the Mego school of sound production. While Fennesz work has those beautiful, warm guitar induced clouds of distortion; Zeitblom's work is comprised of miniscule grains of sound. There is an implied sense of melody, but most of the sonic space is taken up by brittle bits of sound. They are repeated, and changed so slowly, that it is hard to pinpoint exactly when the track shifted in character.
"Bioplex in Delay- Environments #1" is an excellent collection of slow moving sound fields. It's a surprisingly meditative release and suits the living room as much as it does the gallery space.
ink19


zeitblom’s very very enigmatic music, repetitive and hipnotic, there is a strange thing happening around this music that I just cannot describe. It is a kind of massive "glass-music", whatever this means... concerning this sound, there is a specific physical position/location in my listening room to really enjoy the disc: laid down, in the centre of the room, so that the sound can surround us in a mysterious way... the included text is also quite interesting...
jorge mantas - psico-acustica



Der Berliner Künstler zeitblom, mit einem Bein bereits fest im Netzwerk der europäsichen Elektronik-Avantgarde veankert, arrangiert seine brüchigen Knackser und subsonischen Beats bevorzugt hinter dem Mikroskop. Seine Integration von Leerstellen zerreissen seine feingliedrigen Kompositionen zu neurotischen Datenströmen.
andreas busche



„Bioplex" sind 4 lange, warme Tracks auf 2 CDs, die zeitlose, geborgene Atmosphäre schaffen und ideal zu Rauminstallationen passen. Neben der Arbeit mit Sovetskoe Foto und Kompositionen für Hörspiele (u. a. Langs „Metroplois") sind eben diese Installationen ein Schwerpunkt des musikalischen Schaffens von Zeitblom. So entstand die Isolationstank-Musik „Bio Adapter I - VI", deren Ein'uss auf die jetzige Veröffentlichung vermutlich nicht zu hoch eingeschätzt werden kann. Was dabei am Faszinierendsten ist: Das funktioniert auch zu Hause und verändert fast unmerklich die eigenen Empfindungen, ohne zu dominant oder gar penetrant zu wirken. Ich bin versucht, den CD-Player auf Repeat zu stellen, damit diese Sounds einfach nicht mehr aufhören. Also doch Isolationstank, oder vielleicht sogar Mutterleib?
sascha karminski


... wer nur ein bisschen Musikalität im traditionellen Sinne sucht, soll große Bogen um diese Platte machen... Der Witz dabei ist, dass, wenn jemand nur einmal selbstvergessen bei einer Techoparty getanzt hat, wird er diese Platte sogar geniessen können. In hundert Jahren wird man 'Micro Data’ von Golden Tone als grundlegendes Werk betrachten.
play station magazin



Unvorstellbar, wie eine musikalische Umsetzung des Textes ‚Der Bioadapter’ aus dem Anhang von Oswald Wieners ‚Die Verbesserung von Mitteleuropa’ klingen könnte. Music for an Isolation Tank scheint mir eine vorsichtig-bedächtige Annäherung an den literarischen Text zu sein; die vordergründige Bissigkeit aus Wieners Vorlage findet sich in ihr jedenfalls nicht wieder. Die warm sprudelnden, sehr ätherischen Sounds, liefen über Kopfhörer im Rahmen einer Installation, bei der sich die Besucher/Teilnehmer durch Bewegungen in einem Wassertank mit den Klängen beschäftigen konnten. Wohltuend ist, dass die Sounds weg vom digitalen Geknister vieler Laptop-Experten und hin zu einem um fassenden Environment hin gleiten. Dies macht sie unantastbar, aber auch schwer zu kommentieren. Ambient?
Zupackend bejahend kann man die Fragestellung des vorherigen Absatzes in bezug auf Golden Tone, eine Liveaufnahme eine gemeinsamen Auftritts von Fennesz und zeitblom im Rahmen einer Multimedia-Veranstaltung in Berlin. In diesen Aufnahmen schichten sich Soundlayer in behäbigen Bewegungen übereinander und bilden ein Dickicht aus zirrend-blubbernden Klangschleifen.
Wir sind hier weit entfernt vom Simulationszwang des Trance: trotz des fliessenden Charakters beleiben die Klänge stets unberechenbar und grobkörnig. Eine Platte, die vor allen auch als Pendant zur Bioadapter-Musik sehr viel Sinn macht.
auf abwegen




Reduktion ist das Zauberwort. Wo keine Melodien die Atmosphäre stören können, ist die Maschine für sich allein, und traut sich. GPS ist ein neues Label aus Ungarn, und bedeutet soviel wie der ‚Geist in der Maschine’ oder auch ‚Maschinist’. Als erste Veröffentlichung haben sie sich einen Livemitschnitt der Berlin-Wiener-Formation Golden Tone ausgesucht, der recht anschaulich die mit dem Labelnamen vorgegebene Konzeption umsetzt. Hier rattert, ruckelt und flimmert es, dass man das Gefühl bekommt, einem Befreiungskampf beizuwohnen, in dessen Verlauf die Maschine immer störrischer gegen die engen Grenzen seiner Bestimmung rebelliert. Gelegentlich scheint dann auch ein Zwischenerfolg erzielt, und ein durchdringendes Störgeräusch ertönt einer Siegeshymne gleich, ein Triumph, der aber nicht von langer Dauer ist, so dass die beiden Stücke immer wieder ihren Weg zurück in Rhythmische Korsett finden und nicht allzu frei vor sich hin wabern. Micro Data ist ein Album zum Zuhören, dass bedrohlich erscheint, und immer spannend bleibt, sofern man sich ihm widmet. Da es sich dabei um ein Livealbum handelt, sollte man sich die Termine dieses Duos unbedingt vormerken.

lüder castringius – text & ton
 

 

 

 

 
   
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